Der Kinderkreuzzug – die wohl traurigste Ausgeburt einer düsteren Zeitstimmung.
Gott will es!
… Von Kreuzzügen, Visionären und dem ununterbrochenen Kampf gegen die Heiden
Wir schreiben das Jahr 1212. Tausende Kinder machten sich auf den Weg nach Jerusalem, um die Heilige Stadt von Muslimen zu befreien. Ohne Waffen und Proviant, blind vertrauend auf Gottes Kraft.
Und der Papst unterstützte dieses Unternehmen. Die Kinder glaubten, Gott würde an ihrer Seite sein.
Es waren einmal der Nikolaus von Köln und der französische Hirtenjunge Stefan von Cloyes. Sie traten im Frühsommer 1212 als jugendliche Propheten auf. Beide verkündeten, ihnen sei Jesus erschienen. Sie versprachen, dass sich das Mittelmeer vor ihnen teilen werde, um trockenen Fußes nach Jerusalem zu gelangen.
Fast zeitgleich sollen beide im Frühjahr 1212 eine «göttliche Botschaft» empfangen haben. Auf Anweisung dieser Kinderpropheten haben anschließend Tausende Kinder und Jugendliche eine 3000 Kilometer lange Reise nach Palästina angetreten.
»(Zu anderen Visionären und ihrem „Treiben“ bis in die Gegenwart hinein, findet ihr einen Beitrag im Kommentar)
Einiges zu den Ereignissen dieser damaligen Tage wurde uns überliefert und in den mittelalterlichen Chroniken festgehalten.
So erzählten spätere Chroniken und Legenden die Teilnehmer seien auf Schiffe gelockt und von skrupellosen Händlern in Nordafrika als Sklaven verkauft worden. In jedem Fall kostete diese kräftezehrende, unvorbereitete Reise vielen der jungen Teilnehmer das Leben durch Hunger, Krankheit und Strapazen.
Aber was geschah eigentlich zuvor?
Als 1071 die Türken Palästina erobert hatten, drang immer häufiger die Kunde von Misshandlungen und Greueln nach Europa. Als der Patriarch von Jerusalem eine Bittschrift an den Papst Urban richtete, beschloss dieser durch einen großen Heereszug das Heilige Land den Türken zu entreißen. Zu diesem Zweck berief er 1095 eine Kirchenversammlung nach Piacenza und später nach Clermont.
Hier, wo zahlreiche Bischöfe, Fürsten und Herren erschienen waren, suchte der Papst mit glühenden Worten die Herzen zum Kampf zu entflammen: Ablass der Sünden und ewiges Leben sei der Lohn im heiligen Streit.
Die Wirkung war unbeschreiblich. „Gott will es!“ rief die Menge, und viele ließen sich zum Zeichen ihrer Teilnahme ein Kreuz auf die Schulter heften.
Man spricht gewöhnlich von sieben Kreuzzügen. Doch sind dies nur die größten, an denen sich Könige und Fürsten beteiligten. Erfolgreich waren von diesen nur der erste (1096 bis 1099), der dritte (112 bis 1129). Der erste Kreuzzug war der erfolgreichste. Die Stadt Jerusalem wurde erobert und das Königreich Jerusalem gegründet. Für uns Deutsche ist der dritte Kreuzzug besonders volkstümlich geworden, weil er durch Barbarossas Tod so tragisch endete – wichtig dadurch, dass am Ende der Deutsche Orden gegründet wurde, der jüngste der drei geistlichen Ritterorden, die in den Zeiten der Kreuzzüge im Heiligen Land entstanden; die beiden anderen waren der Johanniter- und der Templerorden.
Außer den drei Mönchegelübden der Armut, der Ehelosigkeit und des Gehorsams übernahm der Deutsche Orden gleich den Templern die Verpflichtung zum Schutz des christlichen Glaubens und zum Kampf gegen die Heiden.
In Wirklichkeit hat es viel mehr Kreuzzüge gegeben als jene sieben. Im Ganzen erstreckten sie sich über 200 Jahre; etwa 7 Millionen Menschen mögen daran teilgenommen haben – eine für jene Zeit ungeheure Zahl. Es war eine wunderbare Bewegung , die das Christenvolk wie ein Taumel ergriffen hatte.
Tausend Gefahren umlauerten die kühnen Gottesstreiter, besonders in den wasserlosen Wüsten Kleinasiens. An Hunger und Durst, Krankheit und Mühsal starben hier täglich Hunderte, und dazu umschwärmen arglistige Türken die müden Wanderer Tag und Nacht und sandten aus sicherem Hinterhalt ihre tückischen Pfeile.
Die eigenartigste Äußerung jener Kreuzzugsidee, ungemein bezeichnend für das Denken dieser Zeit., für den mittelalterlichen Wunderglauben, ist der Kinderkreuzzug von 1212, wohl die traurigste Ausgeburt jener mystischen Zeitstimmung. Nach dem unglücklichen Verlauf des vierten Kreuzzuges behaupteten Kinder, Gott habe ihnen befohlen, das Heilige Land zu befreien. Es tauchte der Glaube auf, das glückliche Gelingen, das den sündigen Erwachsenen versagt blieb, werde den unschuldigen Kindern beschieden sein.
Unter der Führung eines Knaben zogen mehrere tausend Kinder aus Deutschland und Frankreich über die Alpen. Aber schon in Italien wurden sie bereits aufgerieben, teils bettelten sie sich zur Heimat zurück. Noch schlimmer ging es den weit zahlreicheren Scharen, die sich in Marseille sammelten. Sie wurden dort von gewissenlosen Unternehmern auf Schiffe verladen und – soweit sie nicht schon auf der See zugrunde gingen – als Sklaven nach Afrika verkauft.
Die Teilnehmer am ersten Kreuzzug waren zweifellos von einer reinidealen Hingabe an eine hohe religiöse Aufgabe beherrscht. Im Lauf der Zeiten aber flaute die Begeisterung immer mehr ab. Die tatsächlichen Erfolge waren gering. Der teuer erkaufte Besitz ging allmählich Stück für Stück wieder verloren, die letzten Plätze 1291. Die nachhaltigste Wirkung der Kreuzzüge lag auf einem ganz anderen Gebiet. Sie brachten vor allem einen allgemeinen Aufschwung des europäischen Handels. Der Handel in Gewürzen, Seidenwaren und Edelsteinen erstreckte sich seitdem bis nach Indien und China.
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Noch eine Geschichte zum Nachdenken..,
Es war einmal beim Volk der Xhosa in Südafrika. Zwischen 1779 und 1879 gab es hier immer wieder Konflikte mit fremden Eindringlingen.
Und zu eben dieser Zeit ging ein 15-jähriges Mädchen namens Nongqawuse (1841-1898) Wasser holen. Als sie ihren Krug füllte, schaute sie ins Wasser des Gxara-Flusses, wo sie die Gesichter der Ahnen erblickte und ihre Stimmen hörte. Diese Geister verkündeten, alles würde wieder gut werden: die Toten würden wieder auferstehen, alle würden jung und schön sein; gesunde Rinder und fruchtbare Felder würden sich materialisieren, Krieger würden aus dem Schilf hervortreten und die Feinde ins Meer treiben. Aber es brauche ein Opfer seitens der Xhosa; sie sollten alle ihre verhexten Rinder schlachten und ihre ebenfalls verhexten Getreidevorräte vernichten …
Im Kommentar geht die Geschichte weiter: „Von jungen Visionären, ihren Anhängern und der Angst um die Zukunft“.
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Organisiert, aufwendig finanziert, hervorgegangen aus der Angst um die Zukunft. Im 16. Jahrhundert schossen Ketzer-und Sektengruppierungen, auch Endzeitsekten, die das Tausendjährige Reich Christi auf Erden herbeisehnten, wie Pilze aus dem Boden.




Quelle: Facebook
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