Als die arabische Welt zum Spielball der westlichen Interessen wurde
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Als die arabische Welt zum Spielball der westlichen Interessen wurde

Vorsicht! Langer Text.

Seht es mir nach, denn diese Deklaration vom 2. November 1917 lässt sich nun mal nicht in wenigen Worten beschreiben.

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Heute, an diesem 2. November, erinnern wir uns an die Balfour Deklaration.

Diese war ein offizieller Brief des britischen Außenministers Arthur Balfour vom 2. November 1917 an Lord Walter Rothschild, der die Unterstützung der britischen Regierung für die Errichtung einer „nationalen Heimstätte“ für das jüdische Volk in Palästina ausdrückte.

Die Region war dazumal ein Teil des Osmanischen Reiches. Die Bewohner waren Untertanen des Sultans. Sprache, Sitten und Traditionen der arabischen Bevölkerung prägten das alltägliche Leben in der Region.

Auch zu Anfang des 20. Jahrhunderts bildeten Araber die große Mehrheit. Rund 90 Prozent der Bewohner waren arabischsprachig. Die Mehrheit davon waren Muslime (ca. 80 Prozent), ergänzt durch eine christliche Minderheit (ca. 10 Prozent). Es gab bereits eine ansässige jüdische Minderheit, deren Anteil vor Beginn der verstärkten zionistischen Einwanderung im späten 19. Jahrhundert deutlich kleiner war.

Der moderne nationale Begriff „Palästinenser“ für die arabische Bevölkerung etablierte sich erst im Laufe des 20. Jahrhunderts. Rechtlich galten nach dem Ersten Weltkrieg unter britischer Mandatsherrschaft alle Bewohner als Palästinenser.

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Seit Jahrzehnten bildet der Vordere Orient, insbesondere Palästina, einen der dauernden Krisenherde der Weltpolitik, und ein Ende der Schwierigkeiten ist nicht abzusehen. Die mit der britischen BALFOUR-Erklärung von 1917 zusammenhängende Vorgeschichte dieser Auseinandersetzungen ist meist unbekannt und wird heute gern verschwiegen.

Darum seien die historischen Tatsachen kurz geschildert.

In seinem Buch „der Judenstaat“ von 1896 fordert der bekannte Zionistenführer Dr. Theodor Herzl die Errichtung einer jüdischen Heimstätte. Er schreibt:

„Man gebe uns die Souveränität eines für unsere gerechten Volksbedürfnisse genügenden Stückes der Erdoberfläche, alles andere werden wir selbst besorgen.“ (S.27)

»Wo dieses „Stück Erdoberfläche“ liegen sollte, ließ Herzl in der Schrift zunächst offen und diskutierte primär zwei Optionen: Argentinien oder Palästina (welches damals Teil des Osmanischen Reiches war)

Weiter schreibt er:

„Palästina ist unsere unvergessliche historische Heimat. Dieser Name allein wäre ein gewaltig ergreifender Sammelruf für unser Volk. Wenn Seine Majestät der Sultan uns Palästina gäbe, könnten wir uns dafür anheischig machen, die Finanzen der Türkei gänzlich zu regeln. Für Europa würden wir dort ein Stück des Walles gegen Asien bilden, wir würden den Vorpostendienst der Cultur gegen die Barbarei besorgen. Wir würden als neutraler Staat im Zusammenhange bleiben mit ganz Europa, das unsere Existenz garantiren müsste. Für die heiligen Stätten der Christenheit liesse sich eine völkerrechtliche Form der Exterritorialisirung finden. Wir würden die Ehrenwache um die heiligen Stätten bilden, und mit unserer Existenz für die Erfüllung dieser Pflicht haften. Diese Ehrenwacht wäre das grosse Symbol für die Lösung der Judenfrage nach achtzehn für uns qualvollen Jahrhunderten.“ (S.29)

In England stießen die Bemühungen der Zionisten, besonders die Theodor HERZLS, nach Errichtung eines >Judenstaates< Endes des neunzehnten Jahrhunderts auf großes Verständnis. Im Jahre 1903 schlug die britische Regierung den Zionisten Uganda als eine solche jüdische Heimstätte

vor. Der Plan wurde jedoch von den Zionisten abgelehnt. Der Niederländer VAN WLNGHENE regte in seinem Buch Voll-Zionismus an, für die Juden einen Staat auf Madagaskar zu schaffen. Im Jahre 1937 wurde eine polnische Delegation unter Generalmajor LEPECKI nach Madagaskar gesandt, um dort Ansiedlungsmöglichkeiten für Juden zu untersuchen. Das in einer Denkschrift niedergelegte Ergebnis der Kommission war die Befürwortung der Ansiedlung der Juden auf der Insel.

» Der >Madagaskar- Plan< spielte ebenso für die deutsche Regierung bis 1941/42, bis zur

Besetzung Madagaskars durch die Briten, eine Rolle. Auch andere Länder wie Nord-Rhodesien wurden zur jüdischen Einwanderung vorgeschlagen.

Am Beginn des Ersten Weltkriegs verlegte die zionistische Bewegung ihren Sitz von Berlin nach Kopenhagen, um ihre Neutralität zu beweisen.

Die Mehrheit der Zionisten stand auf der Seite der Alliierten, eine Minderheit versprach sich jedoch noch von einem Sieg Deutschlands die besseren Aussichten für die Errichtung eines jüdischen Staates.

Im Ersten Weltkrieg war das Osmanische Reich (Türkei) Deutschlands Verbündeter. Es beherrschte den ganzen Vorderen Orient samt Palästina.

Großbritannien war daran gelegen, seinen durch den Suez-Kanal führenden Seeweg nach Indien vor türkischen Angriffen freizuhalten und eine Landverbindung vom Kanal bis zum Irak für sich zu schaffen. Es bemühte sich deswegen darum, die von der Türkei beherrschten Araber zum Aufstand anzustacheln. Im Juli 1915 einigten sich in Damaskus führende Vertreter der arabischen Länder auf Bedingungen für London als Voraussetzung zur Zusammenarbeit mit den Engländern: Anerkennung

der Unabhängigkeit der arabischen Länder außer der britischen Kolonie Aden; Aufgabe aller Sonderrechte der Europäer; Abschluss eines Beistandspaktes zwischen Großbritannien und den künftigen arabischen Staaten mit Meistbegünstigung Großbritanniens.

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Die darauf folgenden Vorgänge im Zeitraffer:

Oktober 1915: Briefwechsel zwischen dem britischen Oberkommissar für Ägypten, Sir Arthur Henry MACMAHON, und dem Emir HUSSEIN I. des arabischen Hedschas, dem Scherifen von

Mekka aus der Dynastie der Haschimiden, Darüber wurde den Arabern die britische Unterstützung Londons bei der Errichtung eines unabhängigen arabischen Staates mit Einschluß Syriens und des Irak in Aussicht gestellt.

16. Mai 1916: Durch den Briefwechsel zwischen dem britischen Außenminister Sir Edward GREY und dem französischen Botschafter in London, Paul CAMBON, wurde das von den Unterhändlern SYKES und PICOT ausgehandelte Sykes Picot-Abkommen amtlich,

Am 5. Juni 1916 erhoben sich im Vertrauen auf diese Zusage mit Hilfe des britischen Abenteurers Thomas Edward LAWRENCE die Araber gegen die türkische Oberherrschaft.

Am 2. November 1916 nahm HUSSEIN 1. den Titel >König der arabischen Länder an.

» Doch im Gegensatz zu den britischen Versprechungen gegenüber den Arabern war die künftige Unabhängigkeit der arabischen Staaten stark eingeschränkt,beruhend auf dem Sykes-Picot Abkommen

Am 17. Februar 1917 fand im Londoner Haus Dr. GASTERS unter dessen Vorsitz die erste offizielle vorbereitende Konferenz von Zionisten zwecks einer jüdischen Heimstätte in Palästina statt. (Teilnehmer waren unter anderen Lord ROTHSCHILD, James DE ROTHSCHILD, Herbert SAMUEL, Sir Mark SYKES, Nahum SOKOLOW und Chaim WEIZMANN, der die Zionisten der USA vertrat.

Als auch US-Präsident WILSon am 16. Oktober 1917 der britischen Regierung mitteilte, dass die Vereinigten Staaten eine solche Erklärung mittragen würden, ermächtigte das zunächst widerstrebende britische Kabinett am 31. Oktober 1917 den Außenminister, eine Erklärung zugunsten eines jüdischen Staates im Namen der Regierung Großbritanniens abzugeben. Damit erhoffte London auch, bessere Unterstützung durch die einflussreichen jüdischen Kreise der Ostküste der USA im Krieg gegen das Deutsche Reich zu bekommen.

Am 2. November 1917 wurde die »Balfour-Deklaration« vom 2. November 1917 in der ungewöhnlichen Form eines Briefes BALI’OURS vom Foreign Office an Lord ROTHSCHILD als eine der bekanntesten jüdischen Persönlichkeiten geschickt.

Mit der darin enthaltenen Versprechung (Wortlaut siehe weiter unten) verstieß die britische Regierung sowohl gegen ihre Zusicherungen den Arabern gegenüber als auch gegen das Sykes Picot-Abkommen mit Frankreich. Indem London somit innerhalb nur zweier Jahre Palästina den Arabern und dann den Juden, die damals nur acht Prozent der dortigen Bevölkerung ausmachten, versprach, legte es den Keim zu den bis heute währenden blutigen Unruhen in diesem Land.

Ab November 1917 kämpften sich dann britische Truppen von Gaza aus nach Norden vor, eroberten im Dezember Jerusalem und hatten am Ende des Ersten Weltkriegs ganz Palästina unter Kontrolle.

Am 24. Juli 1922 ließ Großbritannien sich vom Völkerbund das Mandat für ganz Palästina übertragen, das so unter britische Kolonialherrschaft kam und Großbritanniens Kolonialreich vergrößerte.

Am 17. Mai 1939 beschränkte die Londoner Regierung in einem Weißbuch Einwanderung und Landkäufe der Juden in Palästina und sagte Juden und Arabern innerhalb von zehn Jahren die Unabhängigkeit in einem jüdisch-arabischen Staat zu.

Im Februar 1947 wollte die britische Regierung die Mandatsverwaltung über Palästina niederlegen und brachte die Palästina-Frage zur Prüfung vor die UNO-Vollversammlung, die nach Einsetzung eines Sonderausschusses am 29. November 1947 den Plan für die Teilung des Landes

in einen jüdischen und einen arabischen Staat annahm.

Am 14. Mai 1948, einen Tag vor dem offiziellen Ablauf des britischen Mandats, rief David BEN GURION den Staat Israel aus, in dem nun bereits 33 Prozent der Bewohner Juden waren, aber immer noch eine große palästinensische Mehrheit bestand.

Die anschließende grausame und opferreiche Vertreibung und die Flucht von mehr als

800000 Arabern aus Israel, das in den folgenden Jahrzehnten trotz massiver Verstöße gegen UNO-Resolutionen und -Auflagen weiterhin von den USA und England unterstützt wurde, provozierten weitere Kriege und ließen das Land bis heute nicht zur Ruhe kommen.

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Quellen- und Literaturverzeichnis:

Udo ULFKOTTE, »Von der Balfour-Deklaration bis Madrid: Der Anspruch zweier Völker auf das Land Palästina«, in: Frankfurter Allgemeine ‚Zeitung, 30. 10. 1991,

+ Der neue Anfang im Nahen Osten«, in: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 13. 9. 1993, S. 6.

Dieter VOLLMER, Politisches Geschehen des XX. Jahrhunderts, K. W.Schütz, Preußisch- Oldendorf 1972, Bd.III

»Meilensteine auf Israels Weg zum Staat«, in: Neue Zürcher Zeitung, 3. 11. 1967, S. 4. ‚Johann VON LEERS,

»Madagaskar«, in: Volksaufklärung und Schule, Nr, 42, 1937, S. 14.

Yehuda BAUER, Freikauf von Juden?, Jüdischer Verlag, Frankfurt/M. 21996, S. 95-100;

Francis R. NLCOSIA,

Hitler und der Zionismus, Druffel, Leoni 1989, S. 298;

Rudolf ASCHENAUER (Hg.), Ich Adolf Eichmann, Druffel,

Leoni 1980, S. 138, 164,167-174; siehe auch »Der Madagaskar* Plan — eine

polnische Initiative

WEIZMANN,S. 42. Dies ist mein Volk. Die Geschichte der Juden, Zürich

1970, S. 285

Bilder (Beitragsbilder) stammen aus der Bertelsmann Lexikothek „Bibliothek des 20. Jahrhunderts November 1917

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Der Brief zur Balfour Deklaration:

»Lieber Lord ROTHSCHILD,

mit großer Genugtuung übermittle ich Ihnen namens seiner Majestät Regierung die folgende Sympathie-Erklärung für die jüdisch- zionistischen Bestrebungen, die dem Kabinett unterbreitet und von ihm gebilligt worden ist.

»Seiner Majestät Regierung betrachtet die Schaffung einer nationalen Heimstätte für das jüdische Volk in Palästina mit Wohlwollen und wird die größten Anstrengungen machen, um die Erreichung

dieses Zieles zu erleichtern, wobei klar zu verstehen ist, daß nichts getan werden soll, was die bürgerlichen und religiösen Rechte bestehender nichtjüdischer Gemeinschaften in Palästina oder die Rechte und die politische Stellung der Juden in irgendeinem nanderen Lande beeinträchtigen könnte.<

Ich bitte Sie, diese Erklärung der Zionistischen Föderation zur Kenntnis zu bringen.

Arthur James BALFOUR.

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