Seit 3 Jahren wird an die Massaker vom 7. Oktober 2023 durch Hamas-Terroristen in Israel erinnert. Man kann das Ganze inzwischen auch anders einordnen, als es die verfeindeten Lager und bestimmte Regierungen tun.
Inzwischen wissen wir unter anderem:
Hamas wurde von israelischen Regierungen unterstützt, um Zwietracht unter den Palästinensern zu schüren, nach dem Motto: „Teile und herrsche!“ Wenn es gelingt, extremistische Organisationen in Gaza und im Westjordanland gegeneinander aufzubringen und sie so stark zu machen, dass man es ihnen ermöglicht, die arabischen Einwohner zu beherrschen und zu terrorisieren, werden die palästinensischen Gebiete durch bürgerkriegsähnliche Zustände gelähmt und daran gehindert, wirksam die Idee einer eigenen Autonomie oder gar Staatlichkeit zu verfolgen. Und vom Ausland aus wird man die palästinensische Sache immer mit Gewalt, Chaos, Extremismus und Terrorismus identifizieren und dadurch diskreditieren.
Wir wissen durch Veröffentlichung israelischer Medien, dass die Regierung längere Zeit und auch kurz vor dem Anschlag vom 7. Oktober 2023 teilweise recht detailliert über Vorbereitungen auf einen unmittelbar bevorstehenden großen Anschlag von arabischen Nachbarn gewarnt worden ist.
Bis heute kann oder will die Regierung Netanyahu nicht erklären, warum auf diese Warnungen keinerlei Vorkehrungen getroffen wurden, warum der Einsatz der Sicherheitskräfte gegen die terroristischen Eindringlinge für israelische Verhältnisse extrem verzögert erfolgte und wie es nach der deutlich verspäteten aber massiven Reaktion zu mutmaßlich hohen Opfern unter den überfallenen Zivilisten durch friendly fire kommen konnte oder ob dies sogar neben der Beseitigung verschiedener Beweise für die Art und Weise des damaligen Vorgehens der Sicherheitskräfte beabsichtigt wurde.
Wir wissen heute, dass nur eine einzige Instanz in Israel von dieser grauenhaften Situation profitierte, nämlich die von fast allen politischen Kommentatoren weltweit als „rechtsextremistisch“ eingestufte israelische Regierung aus radikalen Zionisten und der gewalttätigen, von „Groß-Israel“ träumenden fundamentalistischen jüdischen Siedlerbewegung sowie dem Regierungschef Netanyahu persönlich, der bei politischer Entmachtung aufgrund zahlreicher Korruptionsvorwürfen Strafverfolgung fürchten muss.
Wir wissen, dass Netanyahu aus Gründen des Machterhalts und der innenpolitischen Krise einen äußeren Konflikt brauchte und suchte und diesen seitdem mit den Palästinensern, Teilen der arabischen Welt und dem Iran vom Zaun brach.
Wir wissen, dass die rechtsradikalen zionistischen Politiker und ihre Siedlervertreter, die immer heftigere Gewalttaten gegen christliche und muslimische Araber in den besetzten Gebieten verüben lassen, um sich deren Land anzueignen, sich nicht mehr mit bloßer Apartheid und Unterdrückung begnügen, sondern die arabische Bevölkerung aus ihren traditionellen Siedlungsgebieten vertreiben oder notfalls durch Hunger und Krieg dezimieren wollen.
Wir wissen, dass diese Dezimierung tatsächlich geschieht, weil diese Regierung es kann, nicht weil sie es darf. Und sie vollzieht diese vor den Augen der Weltöffentlichkeit und findet dabei in den USA oder in Deutschland die Unterstützung der jeweiligen Regierungen durch Geld, Waffen und Rechtfertigungen.
Wir wissen, dass den „mehr als 1.200“ israelischen Opfern im Gefolge des Hamas-Angriffs vom 7. Oktober 2023 nach gut begründeten internationalen Schätzungen bis heute etwa 100.000 Opfern auf arabischer Seite gegenüber stehen, hauptsächlich im Gaza-Streifen, überwiegend zivile arabische Opfer ohne jeden Bezug zu Terrororganisationen, Kinder, Frauen, alte Menschen, Wehrlose, Unbewaffnete, Muslime, Christen.
Wir wissen, dass der Gaza-Streifen systematisch zerstört und unbewohnbar gemacht wurde mitsamt der Infrastruktur, Wohngebäuden, Krankenhäusern, Straßen, Kirchen, Moscheen. Alles wurde und wird angegriffen. Bei sogenannten gezielten Tötungen mutmaßlicher Terroristen werden jedesmal Dutzende bis Hunderte Zivilisten gefährdet, verletzt oder getötet.
Wir wissen, dass die immer wieder behinderten Hilfslieferungen bislang keine Rettung sondern langsames Aushungern bedeuten und dass zivile Hilfesuchende bei der Ausgabe von Wasser, Nahrung und Medikamenten gezielt beschossen und getötet wurden, ebenso Journalisten, die dies dokumentieren und Helfer, die Verletzte versorgen wollen.
Wir wissen, dass die militärische Gewalt unter dem Deckmantel der Selbstverteidigung mit großer Härte weiter gegen den Libanon und dort angeblich gegen die Hisbollah, im Wesentlichen aber auch gegen arabischer schiitische Zivilisten und christliche Libanesen in der von Israel annektiertem „Pufferzone“ eingesetzt wird und als eine Art Inlandterrorismus radikaler Siedler gegen die christliche und muslimische arabische Bevölkerung im Westjordanland.
Wir wissen, dass die US-unterstützte Netanyahu-Regierung mit der Ausweitung ihrer kriegerischen Aggressionen gegen den Iran die ganze Welt zur Geisel ihrer Ambitionen genommen hat und die Folgen dieses Konfliktes weltweit steigende Energie- und Nahrungsmittelpreise bei maximalen Gewinnen der Rüstungskonzerne sind.
Wir wissen, dass diese Taten, die weltweit auch juristisch als Kriegsverbrechen und Völkermord qualifiziert werden, im Nahen Osten und sogar weltweit Angst, Aggression, Apartheid, Apathie bei den Opfern und anhaltenden Hass bei rachedurstigen und aufgestachelten Menschen erzeugen und eine friedliche Lösung mit Einigungen auf Augenhöhe über Generationen verhindern können und sollen.
Wir wissen, dass es in den USA und z.B. in Deutschland in den jeweiligen Regierungen Kräfte gibt, die genau dies wollen und die versuchen, gerechtfertigte Kritik mit allen Mitteln der Desinformation, der Diffamierung und der Kriminalisierung zu unterdrücken.
Es ist eine durch und durch fragwürdige Angelegenheit, einen „Erinnerungskult“ für die etwa 1.200 Opfer vor drei Jahren zu inszenieren, aber die anteilige Verantwortung der israelischen Regierung im Vorfeld wie für die verheerende und völlig überzogene Reaktion komplett auszublenden und zu leugnen und das tägliche Sterben in diesem größten Nahostkrieg gegen Zivilisten (aber angeblich gegen die einst selbst herangezüchteten Terroristen) mit 100.000 arabischer Opfern weiter zu ignorieren oder als bloßen Kollateralschaden zu rechtfertigen.
Es ist pure Ignoranz, die zunehmende Intoleranz von rechten Zionisten und Siedleraktivisten in Israel gegen Araber, Christen und Muslime zu verharmlosen und die Umwandlung der einzigen Demokratie in Nahost (so ein früherer pro-israelischer Slogan) in einen militaristischen, staatsterroristischen Apartheid-Staat als Akt der Selbstbehauptung und Verteidigung des Existenzrechts Israels zu propagieren.
Und dies sagen nicht etwa pro-palästinensische Aktivisten und islamistische Extremisten, sodass wir es von diesen wissen. Dies sagen und schreiben jüdische Kritiker der israelischen Regierung innerhalb und außerhalb Israels und werden dabei von deutschen und amerikanischen Netanyahu-Unterstützern absurderweise des Antisemitismus geziehen.
Vor drei Jahren schrieb ich die unten stehende Geschichte der Hoffnung und habe sie seither dreimal veröffentlicht. Es mag absurd, naiv und utopisch erscheinen, angesichts der extremen Gewalt, des Hasses und einer gezielt menschenverachtenden Politik der verbrannten Erde, der Vertreibung und der Auslöschung die Hoffnung auf Frieden und Versöhnung nicht aufzugeben.
Doch es gibt keine Alternative, selbst wenn drei Generationen nötig sein sollten, damit die Verfeindeten wieder miteinander reden. Sie werden es aber nicht tun, wenn sie nicht von den mächtigen Fürsprechern außen dazu ermuntert werdend. Doch diese sind an der Seite der Kriegsgewinnler engagiert und derzeit dem Kriegsgott verfallen, ob in Nahost, am persischen Golf oder in der Ukraine.
Daher: Man darf das Unrecht nicht vergessen und verschweigen. Aber Frieden kommt nicht nur durch Gerechtigkeit. Und wie sollte die nach 100.000 Toten aussehen? Frieden kommt durch Mitgefühl und Liebe, welche Wut und Hass besiegen. Und diese Liebe und dieses Mitgefühl müssen erfahrbar sein, man muss sie praktizieren, sonst lassen sie sich nicht spüren und sie wirken nicht: Liebe und Mitgefühl. Dafür ist es nötig, dass auch alle anderen Gefühle empfunden und friedfertig ausgedrückt und von uns Zeugen und Mitfühlenden wahrgenommen werden. Erst dann haben echte Vergebung und Versöhnung eine Chance.
Quelle: Facebook
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