In einer Betonzelle des Nürnberger Gefängnisses streifte Hermann Göring die großen Illusionen der Kriegführung ab. Leise im Gespräch mit einem US-Militärpsychologen zeigte der ehemalige Reichsmarschall keinerlei Reue oder Entschuldigung für die katastrophale Zerstörung Europas. Beraubt seiner juwelenbesetzten Orden, maßgeschneiderten Uniformen und seiner Parakodein-Sucht, wartete der zweitmächtigste Mann des Dritten Reiches vor dem Internationalen Militärgerichtshof auf sein Urteil. Beobachter hatten fanatische Dogmen oder juristische Ausflüchte erwartet. Stattdessen lieferte Göring in einem intimen Austausch mit dem Geheimdienstoffizier Gustave Gilbert eine kalte, klinische Analyse politischer Macht. Mit brutaler Gelassenheit erklärte der Architekt der nationalsozialistischen Aufrüstung, dass einfache Bürger niemals den Krieg wünschen, aber jede Regierung der Welt – ob Diktatur oder Demokratie – ihre Bevölkerung mühelos auf das Schlachtfeld treiben kann.
Der Mann auf der eisernen Feldpritsche war ein Schatten seiner früheren öffentlichen Erscheinung, geistig jedoch von beachtlicher Schärfe. Als er im Mai 1945 in Österreich gefangen genommen wurde, war Göring aufgedunsen und führte Tausende von Drogenpillen mit sich. Hinter dem Nürnberger Justizpalast inhaftiert, setzte Gefängnisdirektor Oberst Burton C. Andrus ein strenges Regime durch. Entzogen von den Drogen und auf Standardrationen gesetzt, verlor Göring achtzig Pfund (ca. 36 kg) und gewann eine rhetorische Schärfe zurück, mit der er den amerikanischen Hauptankläger Robert H. Jackson häufig ausmanövrierte. Hauptmann Gustave Gilbert, ein deutschsprachiger Psychologe mit einem Doktortitel der Columbia University, hatte täglichen Zugang zu den Zellen der Angeklagten, um deren psychologische Profile zu dokumentieren. Tests ergaben für Göring einen Intelligenzquotienten von 138 – einen der höchsten im gesamten Gefängnis. Bei ihren ruhigen abendlichen Besuchen ergründete Gilbert die innere Mechanik des Regimes und traf auf einen Gefangenen, der mit verstörender Offenheit sprach.
Der entscheidende Austausch fand am 18. April 1946 während einer Verhandlungspause statt. Gilbert schaute in Zelle Nummer fünf vorbei, um die Beweise des Prozesses bezüglich des Kriegsausbruchs zu erörtern, und bemerkte, dass einfache Menschen wohl kaum Dankbarkeit gegenüber Führern empfinden würden, die ihnen Ruinen beschert hatten. Göring zuckte verächtlich die Achseln. „Nun, natürlich will das Volk keinen Krieg“, erwiderte Göring. „Warum sollte auch ein armer Teufel auf einem Bauernhof sein Leben in einem Krieg riskieren, wenn das Beste, was er dabei herausholen kann, ist, in einem Stück auf seinen Hof zurückzukehren?“ Es war eine universelle Wahrheit über alle Grenzen hinweg: Die einfachen Leute wollten nie Konflikte, ob in Russland, Großbritannien, Amerika oder Deutschland. Doch diese Abneigung war politisch irrelevant. Letztendlich, so erklärte Göring, bestimmten die Führer die nationale Politik, und es sei „immer ein Leichtes, das Volk mitzuschleifen“.
Gilbert hielt dagegen und versuchte, die moralische Legitimität einer repräsentativen Regierung zu verteidigen. In einer Demokratie, argumentierte der Psychologe, besäßen die Bürger durch ihre gewählten Vertreter eine konstitutionelle Stimme, und in den Vereinigten Staaten habe allein der Kongress die Vollmacht, den Krieg zu erklären. Göring wischte den Einwand als naive Staatsbürgerkunde ab. „Oh, das ist alles schön und gut“, antwortete er, „aber, Stimme oder keine Stimme, das Volk kann immer gefügig gemacht werden, den Befehlen der Führer zu folgen. Das ist einfach.“ Der Mechanismus erforderte weder Genie noch komplizierte Überredungskunst: „Alles, was man tun muss, ist ihnen zu sagen, dass sie angegriffen werden, und die Pazifisten wegen Mangel an Patriotismus zu denunzieren, da sie das Land einer Gefahr aussetzen.“ Er hielt inne, um die universelle Beständigkeit der Technik zu betonen: „Es funktioniert in jedem Land auf die gleiche Weise.“
Göring teilte keine abstrakte Theorie; er beschrieb den operativen Bauplan, den er selbst gelebt hatte. Um im August 1939 den Einmarsch in Polen vor einer Bevölkerung zu rechtfertigen, die einen weiteren Krieg fürchtete, inszenierte das Regime den Sender-Gleiwitz-Zwischenfall und fälschte einen Grenzangriff durch SS-Männer in polnischen Uniformen. Jahrelang warnten staatliche Schlagzeilen, dass das Vaterland von Todfeinden eingekreist sei, während die Keller der Gestapo jeden verschlangen, der den militaristischen Konsens infragestellte. Doch Görings Erkenntnis war weit verstörender als ein Bekenntnis nationalsozialistischer Schuld. Indem er behauptete, dass exakt dieselbe Manipulation auch in freien Gesellschaften funktionierte, argumentierte er, dass repräsentative Institutionen keinen Schutz vor erzeugter Hysterie böten. Für den NS-Führer war politische Moral lediglich ein Ornament und das Einverständnis der Öffentlichkeit nur ein ingenieurtechnisches Problem, das durch die Instrumentalisierung von Angst gelöst werden konnte.
Am 1. Oktober 1946 sprach das Tribunal Hermann Göring in allen Anklagepunkten schuldig und verurteilte ihn zum Tode durch den Strang. Doch in der Nacht zum 15. Oktober, kaum zwei Stunden bevor der Henker seine Zelle betreten sollte, überlistete Göring seine Bewacher, indem er eine eingeschmuggelte Glasampulle mit Kaliumcyanid (Zyankali) schluckte. 1947 veröffentlichte Gilbert seine Aufzeichnungen im Nürnberger Tagebuch und bewahrte die privaten Reflexionen des Gefangenen für die Nachwelt. Während das Dritte Reich in Trümmern zusammenbrach, überlebte Görings zynische Formel das Regime, das sie perfektioniert hatte. Geäußert in der Stille einer Betonzelle, blieben seine Worte eine dauerhafte Diagnose politischer Verwundbarkeit: eine eindringliche Erinnerung daran, dass der Frieden nicht durch die Bösartigkeit der Vielen zerbricht, sondern durch die Leichtigkeit, mit der Führer den Ängstlichen einreden, dass das Überleben den Krieg erfordert.
Inside a concrete prison cell in Nuremberg, Hermann Göring stripped away the grand illusions of warfare. Speaking quietly to an American army psychologist, the former Reichsmarschall offered no apologies and no remorse for the catastrophic destruction of Europe. Stripped of his jewel-encrusted medals, tailored uniforms, and paracodeine addiction, the second-most powerful man in the Third Reich was awaiting his sentence before the International Military Tribunal. Observers expected fanatical dogma or legal evasions. Instead, in an intimate exchange with intelligence officer Gustave Gilbert, Göring delivered a cold, clinical analysis of political power. With brutal nonchalance, the architect of Nazi rearmament explained that ordinary citizens never desire war, yet any government on earth—dictatorship or democracy alike—can effortlessly herd its population onto the battlefield.
The man on the iron cot was a shadow of his former public persona, yet mentally formidable. When captured in Austria in May 1945, Göring was bloated and carrying thousands of narcotic pills. Confined behind the Nuremberg Palace of Justice, prison warden Colonel Burton C. Andrus enforced a strict regimen. Deprived of drugs and placed on standard rations, Göring shed eighty pounds, regaining an oratorical sharpness that frequently outmaneuvered chief American prosecutor Robert H. Jackson. Captain Gustave Gilbert, a German-speaking psychologist holding a doctorate from Columbia University, enjoyed daily access to the defendants‘ cells to document their psychological profiles. Testing placed Göring’s intelligence quotient at 138, among the highest in the prison. During their quiet evening visits, Gilbert probed the inner mechanics of the regime, finding a prisoner who spoke with unsettling candor.
The decisive exchange occurred on April 18, 1946, during a recess in the proceedings. Gilbert stopped by cell number five to discuss the trial’s evidence regarding the outbreak of the war, remarking that ordinary people were unlikely to feel grateful toward leaders who brought them ruins. Göring shrugged in contempt. „Why, of course, the people don’t want war,“ Göring replied. „Why would some poor slob on a farm want to risk his life in a war when the best that he can get out of it is to come back to his farm in one piece?“ It was a universal truth across all borders: common people never wanted conflict, whether in Russia, Britain, America, or Germany. But that reluctance was politically irrelevant. In the end, Göring explained, leaders determined national policy, and it was „always a simple matter to drag the people along.“
Gilbert pushed back, seeking to defend the moral legitimacy of representative government. In a democracy, the psychologist argued, citizens possessed a constitutional voice through their elected representatives, and in the United States, only Congress held the authority to declare war. Göring brushed the objection aside as naive civics. „Oh, that is all well and good,“ he answered, „but, voice or no voice, the people can always be brought to the bidding of the leaders. That is easy.“ The mechanism required neither genius nor complicated persuasion: „All you have to do is tell them they are being attacked and denounce the pacifists for lack of patriotism and exposing the country to danger.“ He paused to emphasize the universal durability of the technique: „It works the same way in any country.“
Göring was not sharing an abstract theory; he was describing the operational blueprint he had lived. In August 1939, to justify invading Poland to a populace that dreaded another war, the regime staged the Gleiwitz incident, faking a border attack by SS men disguised in Polish uniforms. For years, state headlines warned that the Fatherland was encircled by mortal enemies, while Gestapo basements swallowed anyone who questioned the militarist consensus. Yet Göring’s revelation was far more disturbing than a confession of Nazi guilt. By asserting that the exact same manipulation worked within free societies, he argued that representative institutions offered no immunity against manufactured hysteria. To the Nazi leader, political morality was merely an ornament, and public consent was just an engineering problem solved by weaponizing fear.
On October 1, 1946, the tribunal found Hermann Göring guilty on all counts, sentencing him to the gallows. But on the night of October 15, barely two hours before the executioner was scheduled to enter his cell, Göring outmaneuvered his captors by swallowing a smuggled glass vial of potassium cyanide. In 1947, Gilbert published his records in Nuremberg Diary, preserving the prisoner’s private reflections for posterity. While the Third Reich collapsed into ruins, Göring’s cynical formula outlived the regime that perfected it. Delivered in the quiet of a concrete cell, his words remained an enduring diagnosis of political vulnerability: a chilling reminder that peace does not collapse through the malice of the many, but through the ease with which leaders convince the fearful that survival demands war.
Quelle: Facebook
Anmerkung: erinnern wir uns an die Leipziger Drohne und anderen Ereignissen, die den Krieg gegen Rußland begründen sollen? Alle Kriege starten mit einer Lüge.
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